Formen der Adipositas
Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Formen der Adipositas, darunter abdominale, hormonell bedingte, genetische und sarkopenische Adipositas, und wie die jeweilige Form die Behandlung beeinflussen kann.

Adipositas ist keine einheitliche Erkrankung. Der Begriff beschreibt eine erhöhte Körperfettmasse, die die Gesundheit beeinträchtigen kann, doch Ursachen, Fettverteilung und Begleiterkrankungen unterscheiden sich erheblich.
Deshalb wird in der Medizin zunehmend zwischen verschiedenen Formen unterschieden. Diese Einteilungen sind keine starren Diagnosen, sondern beschreiben Muster, die die Beurteilung und Behandlung beeinflussen können.
Zwei Menschen mit ähnlichem Körpergewicht können sehr unterschiedliche Stoffwechselprofile, Muskelmassen und Risiken haben. Eine Beurteilung allein anhand des Body-Mass-Index bildet das nicht vollständig ab.
Die folgenden Formen helfen zu verstehen, warum Adipositas individuell beurteilt und nicht mit einem einheitlichen Programm behandelt werden sollte.
Was ist Adipositas?
Adipositas bezeichnet eine übermäßige Ansammlung von Körperfett, die mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann.
Der Body-Mass-Index wird häufig zur Einordnung verwendet. Er bildet jedoch weder Fettverteilung noch Muskelmasse oder Stoffwechsellage ab.
Ergänzend können Taillenumfang, Körperzusammensetzung, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und Leberwerte beurteilt werden.
Adipositas gilt als komplexe, chronische Erkrankung mit biologischen, genetischen, hormonellen, psychischen und sozialen Einflussfaktoren.
Warum werden verschiedene Formen unterschieden?
Die Unterscheidung hilft, Ursachen und Risiken besser einzuordnen.
Sie kann beeinflussen:
- Welche Untersuchungen sinnvoll sind
- Welche Begleiterkrankungen wahrscheinlich sind
- Welche Behandlung geeignet ist
- Wie der Verlauf beurteilt wird
- Welche Ziele realistisch sind
Die Formen überschneiden sich häufig. Eine Person kann mehreren Mustern gleichzeitig entsprechen.
Abdominale (androide) Adipositas
Bei dieser Form sammelt sich Fett vor allem im Bauchbereich an.
Sie wird häufig mit einem größeren Taillenumfang beschrieben und tritt bei Männern häufiger auf, kann aber auch Frauen betreffen, besonders nach der Menopause.
Diese Verteilung ist stärker mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.
Der Taillenumfang kann daher zusätzliche Informationen liefern, die der Body-Mass-Index allein nicht abbildet.
Gynoide Adipositas
Bei dieser Form verteilt sich das Fett vor allem an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln.
Sie tritt häufiger bei Frauen auf und wird mit einer anderen Stoffwechselcharakteristik beschrieben.
Das Risiko für Stoffwechselerkrankungen kann geringer sein als bei ausgeprägter Bauchfettverteilung, doch Belastungen für Gelenke, Venen und Beweglichkeit können bestehen.
Auch diese Form erfordert eine individuelle Beurteilung.
Viszerales und subkutanes Fett
Nicht jedes Körperfett verhält sich gleich.
Subkutanes Fett liegt unter der Haut. Viszerales Fett umgibt die inneren Organe im Bauchraum.
Viszerales Fett ist stoffwechselaktiver und stärker mit Entzündungsprozessen, Insulinresistenz und Herz-Kreislauf-Risiken verbunden.
Deshalb kann eine Person mit vergleichsweise niedrigem Gewicht dennoch ein erhöhtes Risiko haben.
Hormonell bedingte Adipositas
Hormonelle Erkrankungen können Gewicht und Fettverteilung beeinflussen.
Mögliche Faktoren sind:
- Schilddrüsenunterfunktion
- Cushing-Syndrom
- Polyzystisches Ovarialsyndrom
- Insulinresistenz
- Wechseljahresbedingte Veränderungen
- Hypogonadismus
Diese Erkrankungen erklären nicht jede Gewichtszunahme, sollten aber bei entsprechenden Beschwerden abgeklärt werden.
Eine hormonelle Ursache verändert häufig die Behandlungsstrategie.
Genetische und syndromale Adipositas
Genetische Faktoren beeinflussen Appetit, Sättigung, Energieverbrauch und Fettverteilung.
Bei den meisten Menschen wirken viele Gene zusammen mit Umwelt und Lebensstil.
Seltener liegen monogene oder syndromale Formen vor, die häufig früh im Leben beginnen und ausgeprägt verlaufen.
Hinweise können sehr frühe Adipositas, ausgeprägter Appetit, Entwicklungsauffälligkeiten oder eine deutliche familiäre Häufung sein.
Medikamentenbedingte Gewichtszunahme
Manche Medikamente können das Gewicht beeinflussen.
Dazu können bestimmte Psychopharmaka, Antiepileptika, Kortikosteroide, Diabetesmedikamente und hormonelle Präparate gehören.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenmächtig ab.
Die verordnende Fachperson kann prüfen, ob eine Anpassung möglich ist, ohne die Behandlung der Grunderkrankung zu gefährden.
Sarkopenische Adipositas
Diese Form beschreibt eine Kombination aus erhöhter Fettmasse und verringerter Muskelmasse.
Sie tritt häufiger im höheren Lebensalter auf, kann aber auch nach längerer Inaktivität, chronischen Erkrankungen oder sehr restriktiven Diäten entstehen.
Das Körpergewicht kann dabei unauffällig wirken, während Kraft, Funktion und Stoffwechsel beeinträchtigt sind.
Krafttraining und ausreichende Eiweißzufuhr sind hier besonders relevant und sollten fachlich begleitet werden.
Metabolisch gesunde und ungesunde Adipositas
Manche Menschen mit Adipositas haben zunächst unauffällige Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte.
Dieser Zustand wird mitunter als metabolisch gesunde Adipositas bezeichnet.
Er ist jedoch nicht zwangsläufig dauerhaft, und das Risiko kann über die Zeit steigen.
Regelmäßige Kontrollen bleiben daher sinnvoll, auch wenn aktuell keine Begleiterkrankung vorliegt.
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern wird das Gewicht nicht mit denselben Kriterien wie bei Erwachsenen beurteilt.
Verwendet werden altersbezogene Wachstumskurven und Perzentilen.
Wachstum, Entwicklung, Pubertät, Ernährung, Schlaf, Bewegung und familiäres Umfeld werden gemeinsam betrachtet.
Restriktive Diäten sind bei Kindern in der Regel nicht angemessen und sollten nur unter fachlicher Begleitung erfolgen.
Wie wird die Form beurteilt?
Die Beurteilung erfolgt medizinisch.
Sie kann umfassen:
- Anamnese und Gewichtsverlauf
- Familiengeschichte
- Medikamentendurchsicht
- Körperliche Untersuchung
- Taillenumfang
- Blutdruckmessung
- Blutzucker und Blutfette
- Leber- und Nierenwerte
- Schilddrüsenwerte bei Verdacht
- Weitere Untersuchungen bei bestimmten Hinweisen
Auch Schlaf, Stress, Essverhalten und psychische Gesundheit gehören zur Beurteilung.
Welche Risiken bestehen?
Die Risiken hängen von Fettverteilung, Begleiterkrankungen und individuellen Faktoren ab.
Mögliche Zusammenhänge bestehen mit:
- Typ-2-Diabetes
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Fettlebererkrankung
- Obstruktiver Schlafapnoe
- Gelenkbeschwerden
- Bestimmten Krebserkrankungen
- Fruchtbarkeitsproblemen
- Psychischer Belastung
Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass eine Erkrankung zwangsläufig auftritt.
Wie beeinflusst die Form die Behandlung?
Die Behandlung sollte sich an Ursache, Begleiterkrankungen und Zielen orientieren.
Bei hormonellen Ursachen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei sarkopenischer Adipositas ist der Erhalt der Muskelmasse zentral.
Bei ausgeprägter Bauchfettverteilung liegt der Fokus häufig auf Stoffwechselrisiken.
Ein einheitliches Programm für alle ist daher selten angemessen.
Welche Behandlungsoptionen gibt es?
Die Behandlung erfolgt in der Regel mehrstufig und langfristig.
Mögliche Bestandteile sind:
- Ernährungsberatung
- Bewegungs- und Krafttraining
- Verhaltensbezogene Unterstützung
- Behandlung von Begleiterkrankungen
- Überprüfung der Medikation
- Medikamentöse Therapie nach Indikation
- Chirurgische Verfahren in ausgewählten Fällen
- Psychologische Unterstützung
Die Auswahl erfordert eine ärztliche Beurteilung und sollte nicht auf Werbung beruhen.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?
Suchen Sie ärztlichen Rat bei Beschwerden oder unklaren Veränderungen.
Wenden Sie sich an eine Fachperson bei:
- Rascher, ungeklärter Gewichtszunahme
- Ungeklärtem Gewichtsverlust
- Starker Erschöpfung
- Atemnot
- Lautem Schnarchen oder Atemaussetzern
- Starkem Durst und häufigem Wasserlassen
- Zyklusstörungen
- Anhaltender psychischer Belastung
Auch der Wunsch nach einer strukturierten Behandlung ist ein guter Grund für eine Vorstellung.
Wie kann MediFinder bei der Recherche helfen?
MediFinder unterstützt Nutzerinnen und Nutzer bei der Suche nach Kliniken, Ärztinnen und Ärzten sowie Behandlungsinformationen. Die Angaben sollten unabhängig überprüft werden.
MediFinder stellt keine Diagnosen und garantiert keine Ergebnisse.
Häufig gestellte Fragen
Ist Adipositas immer gleich?
Nein. Ursachen, Fettverteilung und Begleiterkrankungen unterscheiden sich erheblich.
Reicht der Body-Mass-Index zur Beurteilung?
Nein. Er bildet weder Fettverteilung noch Muskelmasse oder Stoffwechsellage ab.
Ist Bauchfett gefährlicher?
Eine ausgeprägte Bauchfettverteilung ist stärker mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken assoziiert.
Können Hormone eine Ursache sein?
Hormonelle Erkrankungen können beitragen. Sie erklären jedoch nicht jede Gewichtszunahme.
Ist Adipositas genetisch bedingt?
Genetische Faktoren spielen eine Rolle, wirken aber meist zusammen mit Umwelt und Lebensstil.
Kann ein Medikament das Gewicht beeinflussen?
Ja. Besprechen Sie mögliche Anpassungen mit der verordnenden Fachperson.
Braucht jede Form dieselbe Behandlung?
Nein. Die Behandlung sollte sich an Ursache, Risiken und Zielen orientieren.
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- Deutsch
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