Welche Körperteile können Krebs bekommen?
Dieser Leitfaden erklärt, in welchen Organen und Geweben des menschlichen Körpers Krebs entstehen kann, einschließlich Blut, Knochen, Haut und Gehirn, und warum manche Körperbereiche häufiger betroffen sind als andere.

Kann Krebs überall im Körper entstehen?
Krebs kann in fast jedem Organ oder Gewebe entstehen, das lebende Zellen enthält, die genetische oder andere biologische Veränderungen entwickeln und dadurch unkontrolliert wachsen können.
Es gibt mehr als 100 anerkannte Krebsarten. Sie werden häufig nach dem Organ benannt, in dem sie beginnen, oder nach dem Zelltyp, aus dem sie entstehen. Krebs kann daher in Organen wie Brust, Lunge, Darm und Haut entstehen, aber auch im Knochenmark, Blut, Muskelgewebe, Nervensystem und in hormonproduzierenden Drüsen.
Nicht jede Körperstruktur hat jedoch das gleiche Risiko. Gewebe, deren Zellen sich häufig teilen oder regelmäßig krebserregenden Einflüssen ausgesetzt sind, entwickeln bestimmte Krebsarten häufiger. Primäre Tumoren anderer Strukturen, etwa des Herzens, sind dagegen sehr selten.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen dem Ort, an dem ein Krebs ursprünglich entstanden ist, und einem Organ, in das er später gestreut hat.
Welche Organe können Krebs entwickeln?
Nahezu alle größeren Organe können Ausgangspunkt einer primären Krebserkrankung sein.
Die Lunge kann verschiedene Formen von Lungenkrebs entwickeln. In der Leber kann primärer Leberkrebs entstehen, in den Nieren Nierenkrebs und in der Bauchspeicheldrüse verschiedene Pankreastumoren. Auch Magen, Darm, Harnblase, Gebärmutter, Eierstöcke, Prostata und Schilddrüse können Ausgangsorte sein.
Innerhalb eines Organs können unterschiedliche Krebsarten entstehen. Lungenkrebs kann beispielsweise als Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom, kleinzelliges Karzinom oder in anderen Formen auftreten.
Daher beschreibt der Name des Organs nur einen Teil der Diagnose. Die genaue Bestimmung des Zelltyps erfolgt in der Regel durch eine pathologische Untersuchung.
Kann Blut Krebs bekommen?
Ja, Krebs kann im blutbildenden System entstehen, auch wenn dabei nicht immer ein fester Tumor gebildet wird.
Leukämien entstehen in blutbildenden Geweben wie dem Knochenmark. Veränderte Vorläuferzellen können sich unkontrolliert vermehren und die normale Bildung von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen beeinträchtigen.
Leukämie ist keine einzelne Krankheit. Es gibt akute und chronische Formen sowie myeloische und lymphatische Leukämien.
Auch das multiple Myelom gehört zu den malignen Erkrankungen des blutbildenden und immunologischen Systems. Es entsteht aus Plasmazellen, die normalerweise Antikörper produzieren.
Der Begriff Blutkrebs umfasst daher mehrere unterschiedliche Erkrankungen.
Kann Krebs im Lymphsystem entstehen?
Ja, Lymphome entstehen aus Lymphozyten, also Zellen des Immunsystems, die im Lymphsystem und in vielen anderen Geweben vorkommen.
Lymphome können Lymphknoten betreffen, sind aber nicht auf diese beschränkt. Sie können auch Milz, Knochenmark, Magen-Darm-Trakt, Haut oder das zentrale Nervensystem betreffen.
Die zwei großen Gruppen sind Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome, wobei beide Gruppen wiederum zahlreiche Unterformen umfassen.
Ein vergrößerter Lymphknoten bedeutet jedoch nicht automatisch Lymphom. Infektionen und entzündliche Erkrankungen sind wesentlich häufigere Ursachen.
Können Gehirn und Rückenmark Krebs entwickeln?
Ja, im Gehirn und Rückenmark können primäre Tumoren entstehen.
Tumoren des zentralen Nervensystems können sich aus unterschiedlichen Zelltypen entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Gliome, Astrozytome und Ependymome.
Nicht jeder Hirntumor wird gleich eingestuft. Einige sind bösartig, andere wachsen langsamer, können aber aufgrund ihrer Lage dennoch erhebliche neurologische Probleme verursachen.
Das Gehirn ist außerdem ein möglicher Ort für Metastasen. Lungenkrebs, Brustkrebs, Melanom und andere Krebsarten können ins Gehirn streuen.
Ein Brustkrebs, der sich im Gehirn ausbreitet, bleibt metastatischer Brustkrebs und wird nicht zu primärem Hirnkrebs.
Können Knochen Krebs entwickeln?
Ja, primäre Krebserkrankungen können direkt im Knochen entstehen, auch wenn Knochenmetastasen bei Erwachsenen häufiger sind als primärer Knochenkrebs.
Osteosarkom und Ewing-Sarkom sind Beispiele für primäre bösartige Knochentumoren. Chondrosarkome entstehen aus knorpelbildenden Zellen.
Knochen können außerdem von Brust-, Prostata-, Lungen-, Nieren- oder anderen Krebsarten befallen werden, wenn diese metastasieren.
Wenn Prostatakrebs in den Knochen streut, bleiben die Tumorzellen biologisch Prostatakrebszellen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Behandlung und Prognose vom ursprünglichen Krebs abhängen.
Können Muskel, Fett und Bindegewebe Krebs entwickeln?
Ja, Sarkome können in Muskel, Fett, Blutgefäßen, Nerven und anderen Binde- oder Stützgeweben entstehen.
Weichteile sind im gesamten Körper vorhanden. Sarkome können daher in Armen, Beinen, Bauchraum, Brustkorb, Kopf, Hals oder in der Umgebung innerer Organe auftreten.
Liposarkome entstehen beispielsweise aus fettbildendem Gewebe, während Leiomyosarkome aus glatter Muskulatur hervorgehen.
Sarkome unterscheiden sich biologisch von Karzinomen. Karzinome entstehen aus epithelialen Zellen, Sarkome aus Binde- oder Stützgewebe.
Der Ort eines Tumors allein reicht daher nicht aus, um seine Krebsart zu bestimmen.
Kann die Haut Krebs entwickeln?
Ja, in der Haut können verschiedene Krebsarten entstehen.
Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome entstehen aus epithelialen Hautzellen. Melanome entwickeln sich aus Melanozyten, den pigmentbildenden Zellen der Haut.
Weitere seltenere bösartige Erkrankungen können ebenfalls in der Haut auftreten, darunter Merkelzellkarzinome und bestimmte Lymphome.
Diese Beispiele zeigen, warum ein Körperteil verschiedene Krebsarten entwickeln kann. Ein Melanom und ein Basalzellkarzinom können beide in der Haut beginnen, sind aber biologisch sehr unterschiedliche Erkrankungen.
Welche Teile des Verdauungssystems können Krebs entwickeln?
Krebs kann in nahezu allen wichtigen Abschnitten des Verdauungssystems und in mehreren damit verbundenen Organen entstehen.
Dazu gehören Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Dickdarm, Rektum und Anus. Auch Leber, Gallenblase, Gallengänge und Bauchspeicheldrüse können primäre Krebsarten entwickeln.
Selbst benachbarte Tumoren können völlig unterschiedliche Erkrankungen darstellen. Ein Adenokarzinom des Dickdarms ist beispielsweise nicht das Gleiche wie ein gastrointestinaler Stromatumor oder ein neuroendokriner Tumor der Bauchspeicheldrüse.
Auch der Blinddarm kann Tumoren entwickeln, allerdings deutlich seltener als der Dickdarm.
Welche Teile des Atmungssystems können Krebs entwickeln?
Krebs kann in der Lunge und in anderen Strukturen der Atemwege und des Brustkorbs entstehen.
Lungenkrebs wird grob in nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Lungenkrebs unterteilt. Innerhalb dieser Gruppen bestehen weitere histologische und molekulare Untertypen.
Auch Luftröhre und Bronchien können Ausgangsorte sein.
Mesotheliome entstehen meist aus dem Mesothel der Pleura, also der Gewebeschicht um die Lunge, und nicht direkt aus den Lungenzellen.
Auch Kehlkopf, Rachen, Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen können Krebs entwickeln.
Ein Tumor im Brustkorb ist daher nicht automatisch Lungenkrebs.
Welche Harn- und Fortpflanzungsorgane können Krebs entwickeln?
Viele Organe des Harn- und Fortpflanzungssystems können Ausgangspunkt einer Krebserkrankung sein.
Dazu gehören Nieren, Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre. Beim männlichen Fortpflanzungssystem können Prostata, Hoden und Penis betroffen sein.
Beim weiblichen Fortpflanzungssystem können Tumoren unter anderem in Eierstöcken, Eileitern, Gebärmutter, Gebärmutterschleimhaut, Gebärmutterhals, Vagina und Vulva entstehen.
Auch Brustkrebs kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten.
Diese Erkrankungen sollten nicht nur aufgrund ihrer anatomischen Nähe zusammengefasst werden, da sie aus unterschiedlichen Zelltypen entstehen und unterschiedlich behandelt werden.
Können hormonproduzierende Drüsen Krebs entwickeln?
Ja, auch endokrine Organe können primäre Krebserkrankungen entwickeln.
Ein bekanntes Beispiel ist Schilddrüsenkrebs. Dazu gehören papilläre, follikuläre, medulläre und anaplastische Formen, die sich deutlich in ihrem Verhalten unterscheiden.
Auch die Nebennierenrinde und Nebenschilddrüsen können bösartige Tumoren entwickeln.
Neuroendokrine Tumoren können in mehreren Organen auftreten, da neuroendokrine Zellen über verschiedene Körpersysteme verteilt sind.
Einige dieser Tumoren produzieren überschüssige Hormone, andere nicht.
Können die Augen Krebs entwickeln?
Ja, Krebs kann im Auge entstehen, obwohl primäre Augenkrebserkrankungen selten sind.
Das uveale oder intraokulare Melanom entsteht aus pigmentbildenden Zellen im Auge. Das Retinoblastom ist ein Netzhauttumor, der vor allem bei kleinen Kindern vorkommt.
Auch Gewebe um das Auge herum, einschließlich Augenlid und Augenhöhle, kann von bösartigen Tumoren betroffen sein.
Zusätzlich können Krebsarten aus anderen Organen ins Auge metastasieren.
Können Mund, Nase und Rachen Krebs entwickeln?
Ja, Krebs kann in vielen Bereichen der Kopf-Hals-Region entstehen.
Dazu gehören Lippen, Mundhöhle, Zunge, Rachen, Kehlkopf, Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen und Speicheldrüsen.
Viele Kopf-Hals-Tumoren sind Plattenepithelkarzinome, aber auch andere histologische Typen kommen vor.
Der genaue Ursprungsort ist wichtig. Mundhöhlenkrebs, Oropharynxkarzinom, Kehlkopfkrebs und Nasopharynxkarzinom sind unterschiedliche Erkrankungen.
Auch Schilddrüsen- oder Nebenschilddrüsenkrebs kann als Knoten am Hals auffallen, gehört aber biologisch zu einer anderen Tumorgruppe.
Kann das Herz Krebs entwickeln?
Primäre bösartige Tumoren können im Herzen entstehen, sind aber äußerst selten.
Wenn ein bösartiger Tumor direkt im Herzgewebe beginnt, handelt es sich häufiger um ein Sarkom als um ein Karzinom, da das Herz überwiegend aus Muskel- und Bindegewebe besteht.
Das Herz kann außerdem von Metastasen anderer Krebsarten betroffen sein.
Metastatische Beteiligung des Herzens ist häufiger als primärer Herzkrebs.
Dies zeigt, dass nahezu jede anatomische Region von Krebs betroffen sein kann, aber nicht jede Körperregion gleich häufig einen primären Tumor entwickelt.
Gibt es Körperteile, die keinen Krebs bekommen können?
Einige Körperstrukturen können selbst keinen Krebs entwickeln, weil sie überwiegend aus nicht lebendem Material bestehen. Die lebenden Gewebe in ihrer Umgebung können jedoch Krebs entwickeln.
Der sichtbare Haarschaft besteht aus verhornten, nicht mehr lebenden Zellen. Krebs entsteht daher nicht im sichtbaren Haar, kann aber in Strukturen des Haarfollikels oder der umgebenden Haut beginnen.
Ähnliches gilt für die Nagelplatte. Sie besteht hauptsächlich aus verhorntem Material, während Krebs im lebenden Nagelbett, in der Nagelmatrix oder in der umgebenden Haut entstehen kann.
Auch Zahnschmelz enthält keine lebenden Zellen und kann selbst nicht krebsartig werden. Zahnfleisch, Kieferknochen, Mundschleimhaut und andere Gewebe rund um den Zahn können dagegen von malignen Tumoren betroffen sein.
Was ist der Unterschied zwischen primärem und metastatischem Krebs?
Primärer Krebs bezeichnet den Ort, an dem die bösartigen Zellen ursprünglich entstanden sind. Metastatischer Krebs entsteht, wenn dieselbe Erkrankung in andere Körperregionen streut.
Krebszellen können sich vom Primärtumor lösen, über Blut oder Lymphgefäße wandern und in anderen Organen neue Tumoren bilden.
Brustkrebs, der in die Lunge streut, bleibt metastatischer Brustkrebs. Dickdarmkrebs in der Leber bleibt metastatischer Darmkrebs.
Die Diagnose richtet sich daher nicht einfach nach dem Organ, in dem später ein Tumor gefunden wird.
Warum ist der genaue Ursprungsort wichtig?
Der ursprüngliche Ort eines Krebses ist wichtig, weil Organ, Zelltyp, Stadium und molekulare Eigenschaften Behandlung und Prognose beeinflussen.
Zwei Tumoren, die anatomisch nahe beieinander liegen, können völlig unterschiedliche Erkrankungen sein. Eine Lebermetastase eines Darmkrebses wird anders behandelt als ein primärer Leberkrebs.
Die Bildgebung zeigt, wo sich Veränderungen befinden. Die Pathologie bestimmt den Zelltyp. Weitere Untersuchungen zeigen, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist und welche molekularen Merkmale vorliegen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, in welchem Körperteil sich Krebs befindet. Wichtiger ist, wo er ursprünglich entstanden ist, aus welchem Zelltyp er besteht und ob er sich über diesen Ursprungsort hinaus ausgebreitet hat.
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